Peritonealdialyse und resultierende Komplikationen
Die Hauptaufgabe der Nieren besteht in der Filtration des Blutes sowie die Ausscheidung von Abfall- und Giftstoffen über den Urin. Bei einem Nierenversagen verbleiben diese Substanzen im Körper und müssen durch eine Dialyse künstlich entfernt werden. Die Bauchfelldialyse, auch Peritonealdialyse (PD) genannt, nutzt das die Bauchorgane umgebende Bauchfell der Patient:innen als natürliche Filtermembran. Hierbei wird eine spezielle Dialyseflüssigkeit über einen Katheter in die Bauchhöhle eingelassen. Nach mehreren Stunden wird das nun mit Abbauprodukten, Giftstoffen, Salzen und überschüssigem Wasser angereicherte Dialysat wieder abgelassen. Idealerweise überbrücken Dialyseverfahren die Zeit bis zu einer Nierentransplantation.
Die Behandlung des chronischen Nierenversagens mittels Dialyse wird jedoch häufig durch Begleiterkrankungen erschwert. Insgesamt resultiert daraus im Vergleich zu gesunden Personen eine etwa 40-fach erhöhte Sterblichkeitsrate. Eine wesentliche Ursache dafür sind chronische Entzündungsprozesse, die mit einer erhöhten Infektanfälligkeit sowie einem gesteigerten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen einhergehen. Sowohl das Nierenversagen selbst als auch dialysespezifische Nebenwirkungen werden derzeit als Auslöser dieser Entzündungsprozesse diskutiert.
Die in der PD verwendeten zuckerhaltigen Dialyseflüssigkeiten tragen zur Entstehung einer sogenannten metabolischen Inflammation (Metaflammation) bei. Diese Form der chronischen, stoffwechselbedingten Entzündung spielt bei zahlreichen Stoffwechselerkrankungen – etwa beim Diabetes mellitus – eine krankheitsfördernde Rolle und ist dort bereits intensiv erforscht. Im Kontext der PD fehlt diese Forschung allerdings bislang / besteht jedoch noch erheblicher Forschungsbedarf.
Unsere Mission
Im CD-Labor für Metaflammation in der PD werden nun die zugrundeliegenden Mechanismen dieser Komplikationen systematisch untersucht, um ein umfassendes wissenschaftliches Verständnis als Basis für neue therapeutische Ansätze zu schaffen. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Leber als potenziell entscheidendem und therapeutisch beeinflussbarem Treiber der schädlichen Metaflammation. Die zugrundeliegenden Krankheitsmechanismen und deren Beeinflussbarkeit sollen in experimentellen Modellen der PD erforscht werden.
Die Bauchhöhle selbst erleidet durch die chronische Behandlung mit PD passive Schäden und Vernarbungen. Nach neuesten Erkenntnissen fungiert sie auch als aktives immunologisches Organ. Diese Signale können die Entstehung einer Metaflammation auslösen oder verstärken.
Dieses CD-Labor nutzt innovative und vielversprechende Methoden zur hochauflösenden Darstellung von Proteinen und Genprodukten direkt im Gewebe. Dadurch werden zentrale Krankheitsprozesse sichtbar und gezielt analysierbar, sodass sich daraus innovative therapeutische Strategien ableiten lassen. Durch das gewonnene Verständnis der Metaflammation können neue Dialyselösungen entwickelt werden, die immunologisch günstige Stoffwechselprozesse fördern. Daraus leitet sich auch der englische Name des CD-Labors ab: „PRIME-PD – Peritoneal Regulation of the Immune-Metabolic Ecosystem in PD“.
Priv.-Doz. Dr.scient.med. Rebecca Herzog, MSc
Universitätsklinik für Kinder und Jugendheilkunde
Abteilung für Pädiatrische Nephrologie und Gastroenterologie
Christian Doppler Labor für Metaflammation in der Peritonealdialyse (CDL-PRIME-PD)